Den Schreibstil verbessern: die Litcamp18-Session als Blogbeitrag

Als ich im Jahr 2015 zum ersten Mal das vom BVjA organisierte Meet&Greet besuchte – ein Speeddating zwischen Verlag und Autor – stellte sich bald heraus: Mein Schreibstil war zu schlecht. Ich hätte mir damals sehr gewünscht, dass mich jemand bei der Hand nimmt und mir den Weg zu einem besseren Schreibstil weist. Ich werde dich nicht bei der Hand nehmen, aber ich kann zumindest meine Erfahrungen mit dir teilen und dir meine Lieblingswerkzeuge nennen.

Erster Tipp: Lass deine Texte jemanden lesen, der Ahnung hat. Idealerweise kennst du einen Lektor oder eine Lektorin, einen erfolgreichen Autoren oder jemanden, der zumindest Germanistik studiert oder studiert hat. Notfalls such dir jemanden, der viel liest. Arbeite mit diesen Menschen zusammen; das zumindest riet mir die Lektorin eines Verlages, dem ich mich im März 2015 beim Meet&Greet vorgestellt hatte. Sie können dir deine mangelhaften Textstellen aufzeigen und du weißt, worauf du achten musst. Wenn du niemanden kennst, versuch es doch mal im Internet. Suche dir Communities – z.B. auf Twitter – und frag deine Follower, ob sie Zeit und Lust hätten.

Zweiter Tipp: Lies Schreibratgeber. Das Schreiben steckt nicht in deiner Veranlagung. Es ist ein Handwerk, das man erlernen kann. Das meint jedenfalls Roy Peter Clark in seinem Ratgeber „Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben“. Und er hat Recht. Meiner Meinung nach genügen schon einige sehr einfache Werkzeuge, mit denen du ein stabiles Fundament aus Worten bauen kannst. Ich zeige dir im Folgenden kurz meine Lieblingswerkzeuge auf. Ich empfehle aber trotzdem wärmstens, das Buch zu lesen. Es gibt noch mehr Werkzeuge und Clark beschreibt sie viel besser als ich.

  • Mit Subjekt und Prädikat beginnen. Es sollte einen guten Grund dafür geben, es nicht zu tun, zum Beispiel um Wiederholungen zu vermeiden.
  • Wichtige Dinge am Anfang oder am Ende des Satzes. Nicht in der Mitte verstecken!
    • Schlecht: Gestern tötete eine Explosion zehn Menschen vor der Eisdiele.
    • Besser: Gestern vor der Eisdiele tötete eine Explosion zehn Menschen.
  • Passiv nur verwenden, wenn ihr jemanden als Opfer darstellen wollt.
  • Show, don’t tell. Lässt sich am besten durch ein Beispiel erklären:
    • Tell: Er liebte Bücher.
    • Show: Mit Beginn des ersten Ferientags hatte er sich in der Bibliothek verkrochen und hätte seine Freundin nicht darauf geachtet, dass er hin und wieder etwas aß, man hätte wohl längst sein Skelett zwischen den Regalreihen gefunden.
  • Details für alle Sinne: Zu Beginn einer Szene beschreibt nicht nur, was der Akteur sieht, sondern auch, was er hört, riecht und fühlt. Gegebenenfalls auch, was er schmeckt. Ist ihm kalt oder warm? Rauscht der Wind in den Bäumen?

 

Dritter Tipp: Besuch Schreibworkshops. Zugegebenermaßen: Als ich meinen ersten und bislang einzigen Schreibworkshop besuchte, stellte ich fest, dass ich das meiste, das man mir dort vermittelte, bereits aus meinem Schreibratgeber kannte. Es hat trotzdem nicht geschadet, das gelesene noch einmal aufzufrischen.

Vierter Tipp: Lies viel und schreib viel. Das schreibt, glaube ich, auch Steven King. Wenn ich Inspiration brauche, lese ich Bücher von Autoren, deren Schreibstil mir gut gefällt. Besonders schöne Stellen fotografiere ich und zitiere sie auf Twitter unter den Hashtags #Wortsammlung und #Wortsammler. Wenn ich dann später unter diesen Hashtags suche, kann ich mich wieder davon inspirieren lassen. Zum Beispiel:

Wortsammlung, Twitter, Carl Wilckens, CarlNetwalker

oder

Wortsammlung, Twitter, Carl Wilckens, Carl Netwalker

 

Um deinen Schreibstil zu verbessern, empfehle ich, Texte von renommierten Autoren zu lesen. DAS SOLL NICHT HEISSEN, DASS IHR BÜCHER VON AUTOREN WIE MIR NICHT ANRÜHREN DÜRFT!!! Diese liefern nämlich eine ganz andere Art von Inspiration, die euch dabei hilft, eure Texte mit innovativem Inhalt zu füllen.

Zu guter Letzt: Stör dich nicht daran, deinen Schreibstil verändern zu wollen. Vielleicht denkst du: Das ist aber mein Schreibstil. Es geht mir darum, dass ich Spaß am Schreiben habe, und nicht, dass andere meine Texte mögen. Es soll ja auch Spaß machen. Es ist aber auch nichts Verwerfliches daran, als Künstler gesehen werden zu wollen. Dein Schreibstil wird ohnehin immer individuell bleiben, egal wie viele Werkzeuge du benutzt.

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