Inspiration: von anderen lernen – Teil 1 –

Ich habe mal bei mir selbst beobachtet, wie ich nach dem Umgang mit anderen anfing, ihr Verhalten zu imitieren. Nicht alles. Nur das, was mir an ihnen gefallen hatte. Zum Beispiel ihren Sinn für Humor, die Art und Weise, wie sie sprachen, bestimmte Worte oder Floskeln, Gesten oder Marotten. Ich fragte mich unweigerlich, ob ich keine eigene Persönlichkeit hatte. Wieso konnte ich mir keine Charakterzüge ausdenken, die dann andere imitierten? Bis ich eines Tages bemerkte, dass jemand eines meiner Worte benutzte, das ich zuvor von einem dritten gelernt hatte. Ich verstand, dass nicht ein Wort oder eine Marotte unsere Persönlichkeit ausmachte, sondern die Summe aller Verhaltensweisen. Schließlich imitierte ich nicht alles, sondern nur das, was mir gefiel. Und die Kombination aus meinem Geschmack und den Menschen, denen ich begegne, ist einzigartig.

Genauso verhält es sich beim Schreiben.

Ich würde meine Feder darauf verwetten, dass die meisten Autoren selbst Leseratten sind. Die Lust zu schreiben entsteht durch das Lesen. Man begeistert sich für diese fremde Welt, durch deren Seiten man taucht. Sobald man selbst anfängt zu schreiben, kann es passieren, dass man die Welt, für die man sich so sehr begeistert, imitiert. Vielleicht auch zu stark. Entweder verliert man auf halber Höhe die Lust oder es entsteht ein billiger Abklatsch. Aber schließlich hat es ja auch schon alles gegeben. Wie kann man da noch etwas Neues erfinden?

Die ganz individuelle Persönlichkeit einer Geschichte kann durch die Rekombination des schon Vorhandenen entstehen – und dadurch ergeben sich nahezu endlos viele Möglichkeiten.

Ein paar Beispiele:

Ich bin ein großer Fan von Magic: The Gathering. Hinter diesem komplexen Sammelkartenspiel steckt eine bestimmt ebenso komplexe Geschichte. Die Karten repräsentieren Länder – sie geben dem Spieler Zauberkraft – und Zaubersprüche, die man mithilfe der Länder wirken kann. Auf diese Weise kann der Spieler unter anderem Kreaturen beschwören. Wie zum Beispiel den Myr-Verbreiter.

Sammelkartenspiel

Magic the Gathering: Myr-Verbreiter (Quelle: http://www.magiccards.info)

Als ich das Bild sah – dieses Maschinenwesen, das sich ständig selbst reproduziert – bekam ich große Lust, eine Kurzgeschichte zu schreiben. Ich kombinierte die Idee des Myr-Verbreiters mit dem, was ich aus dem Biologieunterricht über die Evolutionstheorie wusste. Daraus entstand eine Welt aus evolvierenden Robotern, den sogenannten Evoiden.

Eine andere Geschichte, die mich sehr inspiriert hat, ist die des Computerspiels Bioshock. In einer Stadt auf dem Meeresgrund haben Wissenschaftler eine Wunderdroge entdeckt, die den Menschen tödliche Kräfte gibt. Leider verlieren sie dabei auch den Verstand. Daraus ist das Perl aus meinem Roman 13 – Das Tagebuch entstanden; eine Droge, die die Süchtigen wahnsinnig vor Gier macht und ihnen zugleich übermenschliche Kräfte verleiht. Die Kombination aus Wahnsinn und Macht ist ein Quell der Konflikte. Bestes Beispiel: Donald Trump.

Stadt unter Wasser

Screenshot vom Videospiel Bioshock: Rapture

Ein letztes Beispiel. Ich habe viele Bücher gelesen, in denen sich der Autor Magie ausgedacht hat. Da wäre zunächst Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter. Die Magie aus den Geschichten von Christopher Paolini erinnert an die aus einem Computerspiel. Man hat eine bestimmte Menge an Zauberkraft (Mana) und wenn sie aufgebraucht ist, kann man nicht mehr zaubern. Natürlich ist das alles noch komplexer. Es gibt bestimmte Risiken und Regeln. Außerdem beherrschen nur Personen die Magie, denen es einmal gelungen ist, unbewusst zu zaubern.

Hingegen: In der Welt von Harry Potter von Joanne K. Rowling beherrschen Hexen und Zauberer die Magie. Sie wird vererbt. Manche Menschen haben magisches Blut, andere nicht. Allerdings gilt: Wissen ist Macht. Man muss die Zaubersprüche und Bewegungen oder andere Rituale kennen. Außerdem gehört in manchen Fällen (Patronus, Disapparieren) eine Portion Willenskraft dazu. Und auch hier ist die Zauberei mit einem gewissen Risiko verbunden. Am besten gefällt mir die Form der Magie aus Bartimäus von Jonathan Stroud. Magie ist keine Gabe, sondern ein Privileg. Der Zauberer ist eine Klasse der Gesellschaft. Nur jene, die dieser Klasse angehören, wissen, wie man Dämonen beschwört und versklavt. Der Mensch selbst beherrscht keine Magie. Sogar magische Gegenstände wie Zauberstäbe oder Zauberringe sind Dinge, in die ein Dämon gebannt wurde. Ich nehme dieses Element und entwickle meine eigene Magie daraus: Die Alchemie. Jeder kann Alchemist werden, auch wenn es schwierig und gefährlich ist. Ein kleiner Fehler kann tödliche Folgen haben. Zauber werden in Form von Tränken in Fläschchen verkorkt. Für besonders mächtige Tränke wirft man einen Schrumpfkopf, der zu einem Leben nach dem Tod verflucht ist, hinein.

Bartimäus – Die Pforte des Magiers von Jonathan Stroud

Bartimäus – Die Pforte des Magiers

Mehr zur Inspiration im zweiten Teil dieses Beitrags …

Ein Gedanke zu “Inspiration: von anderen lernen – Teil 1 –

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s