Vom Manuskript zum Buch

Das Bedürfnis, zu schreiben, ist schon lange ein Teil von mir. Wenn ich es längere Zeit nicht tue, läuft mein Hirn über. Indem meine Finger auf die Tasten meines Laptops trommeln, gieße ich also bloß ein wenig von der Fantasie ab, die sich in meinem Kopf sammelt, ehe sie mir aus Augen und Ohren läuft. Klar habe ich auch immer davon geträumt, meine Texte eines Tages zu veröffentlichen – so richtig in einem Verlag. Aber jeder, der das schon mal versucht hat, weiß, dass nur ein Bruchteil der eingereichten Manuskripte verlegt werden. Ich bin also defensiv pessimistisch geblieben. Habe mir immer vergegenwärtigt, dass es Jahre dauern könnte, einen Verlag zu finden, und es vermutlich darauf hinauslaufen würde, dass ich meine Texte selbst veröffentliche.

 

Im Jahr 2014 besuchte ich zum ersten Mal die Frankfurter Buchmesse. Mit Exposé und Leseprobe in zehnfacher Ausgabe meines achthundert Seiten schweren Romans. Ich ging von Stand zu Stand und fragte bei den Verlagen, ob Interesse an Neuzugängen bestünde. Ein hoffnungsloses Experiment. Im besten Fall bekommt man eine Absage oder hört nie wieder von ihnen. Bei weniger Glück gerät man an einen Pseudoverlag. So bekam ich ein vermeintlich mehr als positives Feedback. Eine runde Geschichte, gelungene Charaktere, schrieb man mir. Für zehntausend Euro Vorkasse würden sie das Buch drucken. Nein, danke.

 

Im März 2015 besuchte ich die Leipziger Buchmesse. Ich hatte mich mit meinem zweiten Roman – dieses Mal nur halb so dick wie der erste – beim ersten Meet&Greet beworben: ein Speeddating zwischen Autoren und Verlagen, das vom Bundesverband junger Autoren (BVjA) organisiert worden war. Ich bekam die Gelegenheit, mich drei Verlagen vorzustellen. Jeweils sieben Minuten reden, dann drei Minuten lang den nächsten Tisch suchen. Das Feedback: Ich habe gute Ideen. Leider sei mein Schreibstil zu anfängerhaft. Ich war enttäuscht, aber nicht zu sehr. Ich nutzte die Gelegenheit und bat um Ratschläge.

2017_06_19 Ticket Meet&Greet

Ticket für das erste Verlagsspeeddating

Bevor ich im Anschluss an die Buchmesse anfing, 13 – Das Tagebuch zu schreiben, dachte ich über alles nach, was ich gelernt hatte. Über die Ratschläge der Lektoren aber auch über die Fragen, die man mir auf dem Meet&Greet gestellt hatte: Wie viele Bücher sollen es werden? Wird die Geschichte ein gutes oder ein schlechtes Ende haben? Ich fragte mich, was mir am meisten an meinen Lieblingsgeschichten gefiel – klassikern wie Harry Potter oder Der Dunkle Turm – und ich kam zu der Erkenntnis, dass jedes gute Buch ein Zentrum besitzt. Einen Lord Voldemort, einen Turm, um den alle Universen kreisen, oder einen Ring, sie zu knechten. Ich beschloss, dass mein Zentrum ein Buch sein soll. Ein Tagebuch, bei dem dreizehn Seiten fehlen. Mit jeder Seite, die der Protagonist findet, kommt er seinem Ziel einen Schritt näher und gerät zugleich in immer größere Gefahr. Inspiriert hat mich ein Computerspiel namens Slenderman: Man sucht in einem dunklen Wald acht verlorene Seiten. Sobald man die erste aufgenommen hat, nimmt der Slenderman die Verfolgung auf. Mit jeder Seite, die man findet, verfolgt er dich hartnäckiger. Sieht man ihn zu lange an, stirbt man. Es kommt nicht selten vor, dass man sich umdreht und die gesichtslose Horrorgestalt steht direkt hinter einem. Als Freeware im Netz erhältlich. Alpträume garantiert!

 

Ich fing an zu schreiben. Zuerst das Tagebuch. Nachdem ich die ersten Einträge zu Papier gebracht hatte, legte ich sie – sehr zu ihrem Leidwesen – meiner Mutter vor. Sie ist zwar Deutschlehrerin, aber absolut kein Fan von Fantasy-Literatur. Doch ihre Tipps waren hilfreich. Später schenkte sie mir ein Buch mit dem Titel „50 Werkzeuge für gutes Schreiben“ von Roy Peter Clark.

2017_06_19 Schreibwerkzeuge

Handbuch für Autoren, Journalisten & Texter

Ich nahm an einem Schreibworkshop teil und bewarb mich ein Jahr später erneut beim Meet&Greet des BVjA. Ich machte mir nicht viel Hoffnung. Hatte ohnehin andere Dinge im Kopf. Ich bereitete mich derzeit auf ein Auslandssemester in Peru vor. Als ich einige Wochen vor meinem Flug gleich zwei Vertragsangebote bekam, war ich geradezu überwältigt. Ich entschied mich für den ACABUS Verlag und reichte das vollständige Manuskript wenige Tage vor meinem Abflug ein. Die Erstellung des Covers und das Lektorat liefen über E-Mail ab. Gegen Ende meines Auslandssemesters sogar, während ich durch Peru und Bolivien reiste.

Am 9. März 2017 hielt ich zum ersten Mal mein eigenes Buch in Händen.

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